Siegener Zeitung / Interview mit Werner Kubny
“Ich bin ein Geschichtenerzähler”
Was bleibt sind. Film Plakat
Köln/Olpe. Der gebürtige Olper Dokumentarfilmer erzählt von seiner Schulzeit und seiner beruflichen Karriere. Sein Dreiteiler “Was bleibt, sind wir” lief gerade im WDR.
sz – Ein Schulfreund, mit dem er täglich von Attendorn per Eisenbahn zur Olper Realschule fuhr, traf den Nagel auf den Kopf, als er den selbstständigen Filmemacher, Regisseur und Produzenten für Kino- und TV-Filme, Werner Kubny, 45 Jahre später wiedertraf: “Du wolltest doch immer Kameramann werden.” Der Filmemacher, geboren in Olpe, aufgewachsen in Attendorn: “Ich habe das gar nicht realisiert und später nicht mehr daran gedacht, dass ich das gesagt habe.”
Kubny gehört heute zu den etablierten Filmemachern
Doch der Berufswunsch aus der Schulzeit ging in Erfüllung. Heute gehört Werner Kubny zu den etablierten Filmemachern, u.a. ausgezeichnet mit dem Grimme-Preis für “Ratten” und “Taubenliebe” und dem Internationalen Fernsehpreis Sport Movies & TV. Von Attendorn zog er nach Düsseldorf, machte eine Ausbildung im Groß- und Einzelhandel, holte sein Abitur nach und studierte Photographie, Film, Erziehungswissenschaft und Kunstgeschichte an der Folkwangschule und Uni in Essen. Nach dem Diplom wurde er Kameramann.
“Ich liebe die Menschen vor der Kamera”
An seinen ersten Film “Wir wollen nicht so leben wie ihr”, eine Dokumentation über Jugendliche, kann er sich noch gut erinnern. Bei mehr als 90 Filmen stand er hinter der Kamera, führte Regie, darunter “eine wunderschöne Zusammenarbeit mit Pic, dem Clown vom Roncalli-Zirkus”, oder arbeitete für Reportagen, Kinderfilme und Kinoproduktionen. Und immer wieder Dokumentationen. Eine Arbeit, die ihm liegt. “Ich liebe die Menschen vor der Kamera.” Zu spüren war das jetzt in dem Dreiteiler über Identität und Wandel im Ruhrgebiet “Was bleibt, sind wir”. Die Dokumentation zeigte den Strukturwandel des Ruhrgebiets, vom Pütt zur grünen Lunge. Geschaut wurde hinter die Fassaden, um zu erfahren, wie der Wandel das persönliche Leben der Menschen im Ruhrgebiet verändert hat.
Der Dokumentarfilmer plädiert für eine gepflegte Drehbuch-Kultur
Zehn Jahre nach Werner Kubnys Film “Abenteuer Ruhrpott” stand im Zentrum von “Was bleibt, sind wir” die Frage, was übrig bleiben wird von der Ruhrpott-Identität, die einst von der ansässigen Schwerindustrie geprägt wurde. Der Dreiteiler entstand in der “Kubny & Schnell Film- und Fernsehproduktion”, ein Zusammenschluss der beiden Filmemacher Werner Kubny und Per Schnell. Die erste gemeinsame Produktion, “Die Helden von Eisenheim” für den WDR, produzierte das Team 1999. Was beide verbindet, ist das Interesse für Menschen, gleich ob Künstler, Schauspieler oder Maler oder Menschen am Rande der Gesellschaft. “Die Menschen vor der Kamera müssen etwas zu erzählen haben”, so Kubny. Der Kölner plädiert für eine gepflegte Drehbuch-Kultur und ist überzeugt, der Zuschauer honoriert das. “Die Resonanz bei den Vorab-Premieren von ,Was bleibt, sind wir? ging ans Herz”, so der Kölner. Im Bochumer Kino kam eine Frau auf ihn zu, die nach der Ausstrahlung sagte: “Sie haben uns unsere Würde zurückgegeben.” Ein schöneres Kompliment kann man einem Filmemacher nicht machen.
2008 Dokumentarfilmschule in Lindlar gegründet
Geschichten zu erzählen, für seine Projekte zu kämpfen, das vermittelt er auch den Studenten der Dokumentarfilmschule in Lindlar, die er 2008 gründete, gefördert und begleitet von der Filmstiftung NRW. Bleibt zum Schluss die Frage: Was steht als nächstes auf der Agenda? Einmal wird es eine Fortsetzung von “Beikirchers Entdeckungen” geben. Der Kabarettist beleuchtet diesmal “Die Varusschlacht”, und abgedreht ist “Ein Jahr nach dem Einsturz – Wie Köln sein Gedächtnis verlor” über die Folgen des Stadtarchiv-Einsturzes. So sehr er das Ruhrgebiet und seine Menschen liebt, hat er keine Lust, noch einmal im Siegerland und Sauerland zu drehen, wie für die Reihe “Westfalenland”? “Gerne”, so Werner Kubny, bei dem man immer noch etwas den Olper Dialekt heraushört. “Nur die Menschen müssen etwas erzählen können.” Wobei wir wieder bei dem Thema der interessanten Dokumentation sind.
- Jörg Langendorf