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Neue Webpräsenz

Neue_webseite

Meine neue Webseite ist online und nun mit sozialen Netzwerken verbunden, wie Facebook, Flickr und Posterous. Ein notwendiger Schritt bei der zukünftigen internationalen Zusammenarbeit. Es wird regelmäßig News und Fotos über die künftigen Produktionen geben und ich freue mich auf Kommentare und Austausch. Über die homepage sind auch DVDs meiner Filmproduktionen zu bestellen.
Werner Kubny

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Out of the Darkness, 2010

OUT OF THE DARKNESS

81 min (Cinema) 

Directed by Stefano Levi. Produced by Werner Kubny, Per Schnell and Stefano Levi. Directors of Photography: Luca Coltri, Stefano Levi. Written by Stefano Levi, Lisa Wagner. Music by Prem Rana (Autari) and Markus Aust. Sound: Rosalie Kubny.

Out of the Darkness. Official Poster

SYNOPSIS. More than half of the world’s preventable blindness is caused by cataract disease, a clouding of the clear lens of the eye. In developing countries like Nepal, it is not only a personal tragedy, but can devastate the economy of entire communities. Fortunately, it is also easy to cure. Cataract surgery is one of the most effective medical interventions on earth, but until recently was considered too expensive to provide to the rural poor.

Most of the world’s blind people live in remote, impoverished areas. The majority of doctors able to cure them work in cities. Dr. Sanduk Ruit from Nepal, and his American partner, Dr. Geoff Tabin, have made perfecting a portable low cost surgical procedure to restore sight their life‘s work. They trek to Nepal’s remote Northeast, carrying an entire hospital on porters‘ backs. Their mission is to bring the needlessly blind out of the darkness.

Official Website: www.outofthedarkness-film.com

 

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Was Bleibt Sind Wir, 2010

 

Was bleibt sind. Film Plakat

Zehn Jahre nach dem Film ABENTEUER RUHRPOTT – von Werner Kubny, der sich bereits mit den inneren Kämpfen und der Veränderung im Leben der Menschen aus dem „Revier“ beschäftigt – blicken Werner Kubny und Per Schnell in WAS BLEIBT SIND WIR hinter die renovierten Fassaden, um zu erfahren, wie der Wandel das persönliche Leben der Menschen im Ruhrgebiet verändert hat. Im Zentrum steht die Frage, was übrig bleiben wird von der Ruhrpott-Identität, die einst von der ansässigen Schwerindustrie geprägt wurde. Ein Jahrzehnt später begeben sich die Filmemacher erneut auf die Spurensuche im Ruhrgebiet, um mit WAS BLEIBT SIND WIR ein subjektives Stimmungsbild der Menschen zu zeichnen.

Sie besuchen die Protagonisten aus ABENTEUER RUHRPOTT erneut, porträtieren Personen, die in der alten Struktur aufgewachsen sind, Verluste erlitten haben und sich mit mehr oder weniger Widerstand an die neuen Gegebenheiten anpassen mussten.

Wie Grashalme die Kraft entwickeln können durch Beton zu wachsen, entwickeln sich jenseits von Kohle und Stahl die Perspektiven: Mit sanftem Druck von unten, mehr oder weniger unbemerkt, gestalten sich die Menschen ihr Ruhrgebiet neu. Der Film begleitet einen hochinteressanten zeitgeschichtlichen Prozess über viele Jahre entlang an den Biografien einzelner Menschen, die noch einiges zu sagen haben.

Hier der Link zur Homepage des Films: www.was-bleibt-sind-wir.de

 

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Siegener Zeitung

Siegener Zeitung / Interview mit Werner Kubny

„Ich bin ein Geschichtenerzähler“

Was bleibt sind. Film Plakat

Köln/Olpe. Der gebürtige Olper Dokumentarfilmer erzählt von seiner Schulzeit und seiner beruflichen Karriere. Sein Dreiteiler „Was bleibt, sind wir“ lief gerade im WDR.

sz – Ein Schulfreund, mit dem er täglich von Attendorn per Eisenbahn zur Olper Realschule fuhr, traf den Nagel auf den Kopf, als er den selbstständigen Filmemacher, Regisseur und Produzenten für Kino- und TV-Filme, Werner Kubny, 45 Jahre später wiedertraf: „Du wolltest doch immer Kameramann werden.“ Der Filmemacher, geboren in Olpe, aufgewachsen in Attendorn: „Ich habe das gar nicht realisiert und später nicht mehr daran gedacht, dass ich das gesagt habe.“

Kubny gehört heute zu den etablierten Filmemachern

Doch der Berufswunsch aus der Schulzeit ging in Erfüllung. Heute gehört Werner Kubny zu den etablierten Filmemachern, u.a. ausgezeichnet mit dem Grimme-Preis für „Ratten“ und „Taubenliebe“ und dem Internationalen Fernsehpreis Sport Movies & TV. Von Attendorn zog er nach Düsseldorf, machte eine Ausbildung im Groß- und Einzelhandel, holte sein Abitur nach und studierte Photographie, Film, Erziehungswissenschaft und Kunstgeschichte an der Folkwangschule und Uni in Essen. Nach dem Diplom wurde er Kameramann.

„Ich liebe die Menschen vor der Kamera“

An seinen ersten Film „Wir wollen nicht so leben wie ihr“, eine Dokumentation über Jugendliche, kann er sich noch gut erinnern. Bei mehr als 90 Filmen stand er hinter der Kamera, führte Regie, darunter „eine wunderschöne Zusammenarbeit mit Pic, dem Clown vom Roncalli-Zirkus“, oder arbeitete für Reportagen, Kinderfilme und Kinoproduktionen. Und immer wieder Dokumentationen. Eine Arbeit, die ihm liegt. „Ich liebe die Menschen vor der Kamera.“ Zu spüren war das jetzt in dem Dreiteiler über Identität und Wandel im Ruhrgebiet „Was bleibt, sind wir“. Die Dokumentation zeigte den Strukturwandel des Ruhrgebiets, vom Pütt zur grünen Lunge. Geschaut wurde hinter die Fassaden, um zu erfahren, wie der Wandel das persönliche Leben der Menschen im Ruhrgebiet verändert hat.

Der Dokumentarfilmer plädiert für eine gepflegte Drehbuch-Kultur

Zehn Jahre nach Werner Kubnys Film „Abenteuer Ruhrpott“ stand im Zentrum von „Was bleibt, sind wir“ die Frage, was übrig bleiben wird von der Ruhrpott-Identität, die einst von der ansässigen Schwerindustrie geprägt wurde. Der Dreiteiler entstand in der „Kubny & Schnell Film- und Fernsehproduktion“, ein Zusammenschluss der beiden Filmemacher Werner Kubny und Per Schnell. Die erste gemeinsame Produktion, „Die Helden von Eisenheim“ für den WDR, produzierte das Team 1999. Was beide verbindet, ist das Interesse für Menschen, gleich ob Künstler, Schauspieler oder Maler oder Menschen am Rande der Gesellschaft. „Die Menschen vor der Kamera müssen etwas zu erzählen haben“, so Kubny. Der Kölner plädiert für eine gepflegte Drehbuch-Kultur und ist überzeugt, der Zuschauer honoriert das. „Die Resonanz bei den Vorab-Premieren von ,Was bleibt, sind wir? ging ans Herz“, so der Kölner. Im Bochumer Kino kam eine Frau auf ihn zu, die nach der Ausstrahlung sagte: „Sie haben uns unsere Würde zurückgegeben.“ Ein schöneres Kompliment kann man einem Filmemacher nicht machen.

2008 Dokumentarfilmschule in Lindlar gegründet

Geschichten zu erzählen, für seine Projekte zu kämpfen, das vermittelt er auch den Studenten der Dokumentarfilmschule in Lindlar, die er 2008 gründete, gefördert und begleitet von der Filmstiftung NRW. Bleibt zum Schluss die Frage: Was steht als nächstes auf der Agenda? Einmal wird es eine Fortsetzung von „Beikirchers Entdeckungen“ geben. Der Kabarettist beleuchtet diesmal „Die Varusschlacht“, und abgedreht ist „Ein Jahr nach dem Einsturz – Wie Köln sein Gedächtnis verlor“ über die Folgen des Stadtarchiv-Einsturzes. So sehr er das Ruhrgebiet und seine Menschen liebt, hat er keine Lust, noch einmal im Siegerland und Sauerland zu drehen, wie für die Reihe „Westfalenland“? „Gerne“, so Werner Kubny, bei dem man immer noch etwas den Olper Dialekt heraushört. „Nur die Menschen müssen etwas erzählen können.“ Wobei wir wieder bei dem Thema der interessanten Dokumentation sind.

– Jörg Langendorf


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Stein ist Leben

Die Geschichte der Steinhauer von Lindlar

Hans-Josef Fischer behaut einen Mauerstein

Ein Dokumentarfilm über Steine, Veredlung, Schönheit und die Menschen, die so hartnäckig die s.g. „Grauwacke“ bearbeiten. Ein Stein, der seit vielen hundert Jahren zum Landschaftsbild des Rheinlandes gehört – in Lindlar, im Bergischen Land, wird er gebrochen und weiterverarbeitet. Die Grauwacke wird inzwischen für anspruchsvolle Gestaltungskonzepte modernen Architektur eingesetzt. Bauprojekte mit einer hochwertigen Innen – und Außengestaltung machen den Lindlarer Stein zu einem international gefragten Naturprodukt. Behauene Werk- und Bausteine für den Außenbereich macht der Steinhauer Jupp Fischer. Für ihn hat die Hauerarbeit nichts Eintöniges. Er freut sich immer noch über jeden Stein, den er fachgerecht behaut. Zeigt sich doch in den vielen Bauwerken seiner Heimat die große handwerkliche Güte des Steinhauerhandwerkes.

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Kölner Stadtarchiv

EIN JAHR NACH DEM EINSTURZ –
WIE KÖLN SEIN GEDÄCHTNIS WIEDERFINDET
 

Ein Film von Werner Kubny, Per Schnell und Kamilla Pfeffer

Eine alte gerettete Urkunde.

Als am 3. März 2009 das Kölner Stadtarchiv einstürzte, richtete sich verständlicherweise zunächst die Aufmerksamkeit und Sorge auf die Verschütteten und auf diejenigen,
die ihre Wohnungen verloren hatten. Die nächste Frage gilt der Verantwortung für dieses Unglück. Doch daneben und dahinter wird deutlich, wie unermesslich groß der kulturelle Verlust ist. Das Stadtarchiv stand nie wirklich im Rampenlicht, doch es war das größte und bedeutendste nördlich der Alpen, enthielt den wichtigsten Bestand an mittel-alterlichen Dokumenten, Tausende von Urkunden von Kaisern, Fürsten und Kaufleuten, von Klöstern, Kirchen und Päpsten, alle Ratsprotokolle der Stadt Köln seit dem 14. Jahrhundert, wertvolle alte Handschriften – und fast 800 Nachlässe prominenter Kölner. Das alles lag am 3. März plötzlich unter Trümmern und wird seitdem mit höchstem Aufwand geborgen.

Schuttberg nach dem Einsturz

Werner Kubny, Per Schnell und Kamilla Pfeffer haben für ihre Dokumentation seitdem – zum großen Teil exklusiv – beobachtet, was alles getan wird, getan werden muss, um wenigstens einen Teil der Archivbestände zu retten und wiederherzustellen. Sie haben Profis und freiwillige Helfer bei ihrer Arbeit begleitet – und heraus gefunden, dass die Hinterlassenschaften der Vergangenheit für manche von ihnen eine ganz persönliche Bedeutung haben. Sie haben die seltenen Glücksmomente mit erlebt, bei denen besonders wertvolle Urkunden oder Bücher wenig oder gar nicht beschädigt geborgen werden konnten. Vor allem aber haben sie mit Menschen gesprochen, die – wie die Schriftsteller Dieter Wellershoff und Günter Wallraff – mit dem Einsturz des Archivs große Teile der eigenen künstlerischen Arbeit oder – wie René Böll – den Nachlass naher Angehöriger verloren haben.

So wird bei dieser Zwischenbilanz ein Jahr nach dem Unglück klar, dass der Schuttberg mitten in Köln sehr vielfältige und sehr menschliche Züge trägt – und dass der Weg
hin zu einer vollständigen Wiederherstellung des „Gedächtnisses“ noch sehr, sehr lang sein wird.

Kamera: Werner Kubny / Matteo Cocco / Per Schnell
Ton: Rosalie Kubny / Jürgen Brügger
Montage und Endfertigung: Christoph Tetzner-Kannen
Sprecher: Jürg Löw  Musik: Markus Aust
Mischung: SoundVision Köln
Herstellung: Kubny & Schnell Film- und Fernsehproduktion Köln
Redaktion: Beate Schlanstein WDR

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Out of the Darkness auf Festivals

 

 

Sangeeta Tamang few days after her sight has been restored.

 

Out of the Darkness, 81min (2011) von Regisseur Stefano Levi und von Kubny und Schnell coproduziert, läuft gerade auf verschiedene Festivals in USA. Mehr informationen über diese von uns produzierten Dokumentarfilm finden sie hier.

 

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Interview mit Kubny und Schnell

Interview mit Werner Kubny und Per Schnell zu ihrem Film „Was bleibt sind wir“

Kino Plakat "Was Bleibt Sind Wir"

Wie kam es zu der Produktion „Was bleibt sind wir“, was war sozusagen der Zündfunke am Anfang?

WERNER KUBNY: Der Zündfunke entstand eigentlich in der Redaktion des WDR, mit der ich vor zehn Jahren „Abenteuer Ruhrpott“ gemacht habe: Wir haben eines Tages darüber gesprochen, dass 2010 ja Essen die Kulturhauptstadt ist und gedacht, es wäre doch interessant, nach den vielen Jahren einmal zu schauen, wie es den Menschen geht, die im Film „Abenteuer Ruhrpott“ damals aufgetreten sind. Da hab ich erst mal geschluckt, weil ich einen Moment die Befürchtung hatte, wieder so viel Industrie- und Sozialgeschichte bewältigen zu müssen, wie es bei „Abenteuer Ruhrpott“ der Fall war. Dann wurde in der Besprechung mit Beate Schlanstein (WDR) aber sehr schnell klar, dass der Film einen ganz anderen Charakter haben wird. Dass es da nicht mehr um die großen Konflikte im Ruhrgebiet geht – also Kohle und Stahl, Werksschließungen, Arbeitsplatzverlust – sondern dass wir individueller denken konnten. Der Gedanke kam von außen und dann haben wir ihn zu unserer Sache gemacht, sehr schnell eigentlich, weil wir dieses Ruhrgebiet und die Menschen dort sehr mögen.

Die gegenwärtigen Themen des Ruhrgebiets sind ja gar nicht so leicht zu greifen, durch welche Höhen und Tiefen ist das Projekt in seiner Entstehung gegangen?

WERNER KUBNY: Günter Bäcker, der ja auch schon das Buch für „Abenteuer Ruhrpott“ geschrieben hat, und ich, wir haben mit anderen zusammen recherchiert, sind herumgefahren und haben natürlich die Leute von damals aufgesucht. Wir haben versucht uns vorzustellen, wie so ein Drehbuch aussehen könnte.

PER SCHNELL: Toll war, zu merken, wie vertraut diese Menschen uns noch sind, dass wir eben als Filmemacher keine „verbrannte Erde“ hinterlassen haben, wie es wohl öfters inzwischen geschieht. Das ist schon sehr schön, wenn man nach zehn Jahren wiederkommen kann und es ist so, als wenn du gestern da warst. Dass die Menschen ganz ehrlich ihre Erfahrungen mit uns geteilt haben, die sie in den vergangenen Jahren gemacht haben, das hat das Projekt sehr beflügelt. Es ist aber auch ein Problem gewesen, dass wir Nachfragen hatten zu ihrer Arbeitswelt – diese Arbeitswelt, die sie ja verloren haben – dadurch ist das Ganze auch zu einer Trauerarbeit geworden: Wir haben ihnen ein kleines Denkmal gesetzt, haben sie aber auch gleichzeitig immer wieder daran erinnert, was sie verloren haben.

WERNER KUBNY: Vor allem war vieles neu zu entdecken – die Konflikte haben sich verändert, die Migrationsprobleme haben sich verschärft, Hartz IV ist dazu gekommen, das gab es damals gar nicht. Es hat sich in den zehn Jahren doch politisch einiges getan. Ich wusste sehr schnell, dass es eine große Recherchearbeit werden wird, und dass das ein Projekt ist, wo man im Juli 2009 mit dem Dreh beginnt und im Mai/Juni 2010 erst enden wird. Und da wir den Film 2010 unbedingt noch fertig stellen wollten, war es klar, dass wir einen langen Atem brauchen würden. Nicht unwesentlich bei der ganzen Arbeit war, dass die Leute sich verändert haben, die sind nicht mehr bereit so ohne weiteres „ja“ zur Kamera zu sagen. Viele, die wir noch nicht kannten, waren sehr reserviert und vorsichtig.

PER SCHNELL: Also nicht einfach war die Suche nach Familien, mit denen sich die Situation des beruflichen Umbruchs nachzeichnen lässt: Wir hatten vor Familien zu finden, in denen mehrere Familienmitglieder im Bergbau tätig waren: Die Großväter, Väter, Söhne und womöglich die Enkel – das war nicht einfach, ist dann aber gelungen. Richtig schwierig wurde es dann aber mit unseren ausländischen Mitbürgern, die sehr abweisend waren – das war schon erstaunlich! Dabei werden sie dort von ihren deutschen Kollegen, Bergbauern und Stahlarbeitern ganz klar akzeptiert, die immer noch einen ganz großen Zusammenhalt mit ihren türkischen Kollegen empfinden.

WERNER KUBNY: Genauso, was das Thema Armut anbelangt, das war ebenfalls nicht einfach, die Menschen schämen sich, einem Filmteam ihre Wohnung zu zeigen. Das respektierten wir und insistierten nicht, wie es vielleicht Kollegen machen. Da hat sich ja viel verändert in den letzten Jahren. Das sind Tiefpunkte gewesen, wo ich und Per gemerkt haben, wir bekommen nicht das, was wir eigentlich wollen, obwohl es da ist und da geht es einem als Dokumentarfilmer schlecht. Wenn man spürt, das könnte man drehen, das ist die richtige Person, das stimmt, so ist die Wahrheit, und ich werde respektvoll mit demjenigen vor der Kamera umgehen und dann sagt dir der Andere: „Ja das ist meine Wahrheit – aber nicht öffentlich und nicht für dich – da musst du dir jemand Anderen suchen“. Ich habe so eine Hartz IV Gruppe besucht, da saßen über zwanzig Leute, und ich war viele Stunden mit den Leuten zusammen und habe mit ihnen gesprochen, habe ihnen abends den Film ABENTEUER RUHRPOTT gezeigt ‒ damit sie wissen, wie ich ticke… Trotzdem: kein Einziger war bereit, mit mir ein Interview zu machen. Alle haben die Öffentlichkeit gescheut, sicherlich aus unterschiedlichen Gründen. Das sind Tiefpunkte, wo man sich fragt, wie man damit umgehen soll. Es hat sich wirklich etwas verändert.

Nach diesen ersten zwei so bewegenden Filmen, wird es da nach gebührendem Abstand eine Nummer drei geben?

WERNER KUBNY: Das glaube ich nicht! Nicht umsonst haben Per und ich beim Auftrag für diesen Film einen Schreck bekommen. Denn eins ist klar: Ein solcher Film beansprucht einen extrem. Man spürt diese Energie, die dort einmal war. Oberflächlich sieht ja alles sehr schön aus, wenn man durchs Ruhrgebiet fährt. Doch viele Menschen sind noch mit der alten Zeit verbandelt. Da ist noch viel Enttäuschung und Verbitterung spürbar. Und man weiß: Um die Wahrheit zu finden, braucht es Vertrauen und Zeit. So fährt man dann also ca. 20.000 km, bittet eine Reihe von Leuten, mitzuarbeiten, zu unterstützen, sonst könnte man das gar nicht schaffen, man hat ja den ganzen Ruhrpott auf der Fahne. Das ist das eine. Das zweite ist aber, dass ich inhaltlich das Gefühl habe, das ist mein – unser – letzter großer Film über das Ruhrgebiet. Weil da jetzt wirklich etwas zu Ende gegangen ist, und man in einigen Jahren, diese kraftvollen Bilder gar nicht mehr machen kann. Die Stories, die dann bleiben, sind solche, die man auch in anderen Regionen finden wird. Und diese großen Bilder, die das Ruhrgebiet hatte ‒ da bleiben letztendlich die Landmarken, Zollverein, der Landschaftspark Nord und anderes an Industriekultur ‒ die kann man in lebendigen Arbeitsprozessen nicht mehr drehen. Die Menschen, die das einmal verkörpert haben, sind dann ja alt oder sie leben nicht mehr, und die Jungen sind als Dienstleister oder vornehmlich in der Kreativwirtschaft unterwegs. Das sind keine so interessanten Drehorte.

PER SCHNELL: Wir haben einen Holländer kennen gelernt, den René Noteboom, der fährt seit anderthalb Jahren jeden Monat ins Ruhrgebiet. Ich selber bin ja in Düsseldorf groß geworden, aber interessanterweise ist das Ruhrgebiet für mich genauso fremd, und ich glaube dem Hamburger, dem Berliner, dem Hannoveraner, dem Münchner: Allen geht es so. Man hatte zwar eine Vorstellung, was das Ruhrgebiet ist, aber man wollte sich damals ja auch gar nicht darauf einlassen, und ich denke das hat sich geändert. Dieser René Noteboom hat im Gespräch Dinge gesagt, die mich schwer beeindruckt haben. Er sagte, dass das Ruhrgebiet ihn an Filme wie „Blade Runner“ und an große Science Fiction Filme erinnert, ein Gedanke, der auch meine Phantasie sehr anregt. Und noch einen seiner Kommentare fand ich großartig: Die Fördergerüste seien wie die Spitzen von Eisbergen. Das stimmt: Oben war der kleine Förderturm und 1000 Meter weiter unten wurde malocht, da existierte ein weit verzweigtes Netz von Schächten und Stollen ‒ eine riesige und tatsächlich Unterwelt im Ruhrgebiet!

WERNER KUBNY: Mir ging es genauso. Schon als ich Student in Essen war haben mich diese Orte angezogen. Da habe ich, wie Roland Günter im Film „Abenteuer Ruhrpott“ so schön sagt, „die tausend Feuer gesehen“, das war faszinierend, das hat mich damals nicht losgelassen. Die Menschen und ihre Arbeit an diesen Orten zu zeigen und zu befragen, das war und ist spannend. Da ist eine Kraft und Poesie drin, und es ist toll, die Wahrheit mit den Leuten herauszuarbeiten. Doch das ist an diesen Orten nahezu vorbei! Deshalb glaube ich, dass wirklich etwas zu Ende gegangen ist, sozusagen während wir mit der Kamera über zehn Jahre Zeitzeugen waren. Wenngleich der Charakter der Menschen im Ruhrgebiet – das, was ich liebe – diese Offenheit und Bereitschaft sich Veränderungen zu stellen, anzupacken, den Arsch hochzukriegen – diese Bereitschaft, die wird bleiben, da bin ich mir ziemlich sicher, auch wenn die Orte nicht mehr da sind und die Arbeit sich ziemlich verändert hat. Die Jugend hat es von den Vätern im Kinderwagen auf den Demonstrationen mitbekommen. Das wird eine Weile reichen.

Gibt es noch etwas, das abseits des Films erwähnenswert ist ?

WERNER KUBNY: Wenn man den Film jetzt sieht, dann hört man teilweise eine großartige Musik, die ich mir so gewünscht habe. Das WDR Rundfunkorchester hat eine Komposition von Rainer Quade umgesetzt und eingespielt. Diese große Musik meint nicht nur das geschichtsträchtige, großartige Ruhrgebiet, es war vielmehr die Aufgabe, in der Komposition erlebbar zu machen, dass die kleinen Menschen in diesem großen Schmelztiegel eine Stimme bekommen für das, was sie nicht sagen konnten. Das menschliche Leben ist oft klein und fein und sensibel und im Film beginnen wir oft mit kräftigen, großen Tonbildern, die dann in einem großen Bogen zu den normalen Menschen hinführen. Die Kraft dieser Region abzubilden und das gleichsam in das menschlich Kleine zu überführen war eine wunderbare Herausforderung für den Komponisten und mich, die wir alle zusammen mit dem WDR Rundfunkorchester und vielen Helfern, so will ich meinen, wunderbar gelöst haben.

Interview vom 19. Juli 2010 – Die Fragen stellte Susanne Grüneklee

 

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Grimme Preis Nominierung

Was Bleibt sind Wir, unser Dokumentarfilm über das Ruhrgebiet wurde für den Grimmepreis nominiert! Die Verleihung findet am Freitag den 6. April 2011 statt.

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